Von Zeit zu Zeit ist es angebracht seine Garderobe zu sortieren und den Kleiderschrank von Altlasten zu befreien. Ich bin nicht sonderlich gut im Klamotten entsorgen, sodass diese Aktion lange vor mir geschoben blieb.

Bis mich die Frau in meinem Leben dazu getrieben hat einen genaueren Blick in meinen Kleiderschrank zu werfen um „Platz zu schaffen“. Ich öffnete die Türen und blickte zufrieden auf die Berge an Shirts, Pullovern und Sportklamotten. Etwas wegzuwerfen sah ich nicht als notwendig an, denn wer weiß was ich irgendwann noch einmal anziehen oder gebrauchen könnte.
Ich musste mich sammeln und nahm kurz vor dem Kleiderschrank Platz um meine Gedanken zu ordnen. Ich fand alle Sachen in den Fächern erhaltenswert, denn nicht nur könnte ich sie noch einmal anziehen, sondern war jedes Teil eine Erinnerung an modische Sünden meiner Jugend. Sünde oder nicht: Erinnerungen soll man nicht wegwerfen. Nach 10 Minuten saß ich weiterhin überfordert und melancholisch vor meinen Sachen, entschloss mich dann aber das Aussortieren mit der angebrachten Vorsichtigkeit und viel Bedacht zu starten.

Ein altes Tischtennis-Trikot. Trikots waren früher eine heilige Sache. Nur zu Punktspielen angezogen und anschließend direkt wieder gewaschen und fein säuberlich im Schrank platziert, damit es für den nächsten Einsatz wieder fit ist. Ein Trikot das ich mit viel Stolz getragen habe und in dem ich große Erfolge feiern konnte und Niederlagen bedauern musste. So etwas kann man nicht wegwerfen. Im Sportfach waren auch noch vier Trainingsjacken von denen eine noch unbenutzt war, weil zu klein. Trainingsjacken kann man nie genug haben. Zerfetzte und alte Trainingshosen ebenfalls nicht.

Ein Sweatshirt von der University of Salford, die ich besuchen durfte. Leider wurde der Pullover von mir zum Streichen angezogen, was kein gutes Ende nahm. Aber es bleibt ein Pullover von einer Universität im Ausland, die ich besucht habe, auch wenn er weiße Farbkleckse hat und ich ihn nicht mehr anziehe. Daneben noch einige andere Sachen mit Farbe – wenn mal wieder ein Umzug ist, kann ich die sicher gut gebrauchen. Bandshirts. Früher gab es nichts anders und mit jedem neuem T-Shirt war man ein Stück cooler. Viele schöne Jahre habe ich in diesen Shirts verbracht und die Bands höre ich teilweise noch heute – warum also wegwerfen? Vielleicht kommen sie mal wieder in Mode, oder ich möchte sie einfach zuhause nach Feierabend irgendwann mal wieder anziehen.

Die anfängliche Reserviertheit verlor ich schnell. Altes Trikot? Die Beflockung ist ab, der Kragen hässlich und leider spiele ich nicht mehr bei diesem Verein – weg damit. Vier Trainingsjacken? Mir waren nur zwei gestattet, also weg mit dem Rest. Sweatshirt der University of Salford? Schweren Herzens sah ich ein, dass er mit den vielen Farbtupfern nur noch schwer als solcher erkennbar war, außerdem kaufen sich andere auch Pullover von Unis die sie nie besucht haben, also kann ich damit nur schwer angeben – auch weg. Weitere dreckige Sachen?

Beim nächsten Umzug kann ich neue Sachen einsauen. Weg damit. Bandshirts? Schon seit drei Jahren nicht mehr angehabt und ich bin keine Werbefläche. Ab in die Tüte. Je mehr ich aussortiert hatte, umso einfacher viel es mir weitere Sachen einzusacken und abzugeben. So verschwand eine ganze Ära an Klamotten, die ich für todschick hielt, innerhalb von einer Stunde in einem Sack für das Rote Kreuz. Traurig oder? Morgen fahren wir einkaufen, damit der Schrank wieder voll wird.

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