Stille zwischen zwei Personen ist meistens peinlich. Wenn man mit jemandem in Auto sitzt und die herrschende Stille nicht als peinlich empfindet, dann weiß man, dass man neben einem guten Freund sitzt.
Für ihn stand bald ein Treffen mit alten Bekannten an, die früher in die Kategorie fielen. Er hatte sie lange nicht mehr gesehen und mit Blick auf die das baldige Wiedersehen fragte er sich, ob sie nach der ganzen Zeit noch gute Freunde sein würden. Er dachte an andere Freundschaften. Wie sie verlaufen waren, wie sie endeten, was sie hätten werden können.

Freundschaften aus Kindertagen waren die Besten: Lange gewachsen, auch schweren Zeiten standgehalten, teilten viele Erinnerungen. Eine lange Zeit, die man zusammen geht, schweißt auch zusammen. Im Idealfall ist diese Zeit so lang und prägend genug, dass man es egal ist, wie lange man sich nicht gesehen hat. Wenn man wieder zusammen an einem Tisch sitzt, dann ist wieder alles beim alten. Als wäre keine Zeit vergangen, läge keine halbe Ewigkeit zwischen dem Jetzt und dem letzten Wiedersehen.

Man fiebert dem nächsten Treffen entgegen und philosophiert dann gemeinsam über Vergangenes, lacht über alte Eskapaden, trauert gemeinsamen Schicksalen hinterher und anschließend trennt man sich guten Gewissens. Solche Freunde konnte er an einer Hand abzählen und lies alles stehen und liegen wenn sich ein gemeinsamer Abend anbahnte. Leider waren diese Abende viel zu selten, denn, wie das Leben so spielt, verteilen sich gute Freunde meist in alle Himmelsrichtungen.
Auf seinem Weg lernte er neue Freunde kennen und es wuchsen Freundschaften, die es Wert waren gehegt zu werden. Besonders in Zeiten, in denen selbst flüchtige Bekannte mit einem Klick als vermeintliche Freunde hinzugefügt werden können. Manchmal treten Menschen in das Leben, die anfangs suspekt scheinen oder die man auch nicht besonders mag, bei denen man aber feststellt, dass es einfach passt. Man verbringt eine gute Zeit miteinander. Trifft sich erst gelegentlich, dann immer öfter. Plötzlich stellt man fest, dass eine Freundschaft entstanden ist, die es Wert ist, dass man ihr festhält. Man teilt Erlebnisse, Geschichten, Kummer und Freude und ist um gute Freunde reicher.
Leider sind Freundschaften fragil und zerbrechlich und es bedarf manchmal nur einer kleinen Sache, einer Nichtigkeit und sie brechen zusammen.

An dieser Stelle unterscheiden sich echte von halbgaren Freundschaften. Um echte Freundschaften lohnt es sich zu kämpfen und darum kämpft man auch. Man versucht aufzubauen, was zu Fall gekommen ist. Wenn es wirkliche Freunde waren, dann gelingt das auch. Bei mittelmäßigen Freundschaften gibt man sich anfangs Mühe und muss dann feststellen, dass von der anderen Seite nichts mehr kommt. Auch das musste er schon erleben. Solide geglaubte Freundschaften gingen wegen Nichts in die Brüche. Weil er kein Interesse von der Gegenseite erfuhr, hielten sich auch seine Versuche zunehmend in Grenzen. Schlussendlich war nichts mehr zu retten. Zu groß war die Distanz. Man ging sich auf der Straße oder beim Einkaufen aus dem Weg, denn zu erzählen hatte man sich sowieso nichts. Wenn sich eine Konfrontation nicht vermeiden lies, dann lief es meist auf gegenstandsloses Geschwätz heraus.
„Wie geht’s so?“
„Ganz gut und bei dir?“
„Auch – ich muss dann wieder. Bis bald“
„Tschüss.“

Eine Schande, aber was soll man machen. Leider verschwanden Freundschaften auch aus Faulheit. Wenn man immer wieder darum ringt eine guten Freund zu animieren und sich darum bemüht ihn zu halten, aber keine Bemühungen von ihm erfährt, dann verliert man früher oder später selbst das Interesse. Er hatte solche Freundschaften abgehakt.
Wie bei einer in die Brüche gegangen Liebesbeziehung wollte er am liebsten alle Erinnerungen daran in eine Tonne schmeißen. Gott sei Dank waren diese Fälle ebenso selten wie echte Kindheitsfreunde. Umso schöner ist es dann, wenn Menschen in sein Leben traten, mit denen er sich auf Anhieb verstand um neue Freundschaften zu bilden, die wichtiger wurden als so manche alte Freundschaft.
Aber wenn interessiert das heute überhaupt noch? Die Welt ist hektisch geworden und für die wichtigsten Dinge ist am wenigsten Zeit.

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